01.02.2013: Jetzt bin ich konfessionsfrei!

 

Kirchenaustritt ? - ein Schritt, für mich vor Jahren noch undenkbar. Das konsequente, schmerzliche Ende eines Prozesses, der mit der Aufgabe von kirchlichen „Ehren„ - Ämtern seine Verstärkung erfuhr. Außerhalb des engsten Zirkels sieht man einiges anders. Man sieht mal und endlich durch die Brille der Katholikenmehrheit. Ich betone, dass mir ursächlich kein Ärgernis in unserer römisch-katholischen Pfarreien-Gemeinschaft diesen  "Flucht-Impuls" gab. Auch der zum "Fremdschämen" veranlassende  Missbrauch-Skandal war für mich nur einer von vielen Tropfen, die mein Fass zum Überlaufen brachten.

 

Unsere kirchliche Befindlichkeit vermittelten meine Frau (sie tritt übrigens nicht aus) und ich erstmals  im Mai 2011 in einem Brief an unseren Pfarrer. Hierin konnte er u.a.  lesen: - Wie oft fragen wir uns, was würde Jesus wohl sagen zu dieser Kirche oder zu dem was über Jahrhunderte zahlreiche macht- und geldgierige, bornierte, intolerante, rücksichtlose, eitle und doppelmoralistische „Gottesdiener“(?) aus ihr gemacht haben. Wollte er uns wirklich in diese Form von Kirche berufen? Oder will er vielleicht, dass wir „von ihr weichen“ um ihm wieder näher kommen zu können? -

 

Zu meiner Person: Ich schaue auf 58 Lebensjahre zurück, davon auf rund 50 Jahre als gläubiger und aktiver Katholik. Gemäßigt streng-religiöses Elternhaus, kontinuierliche Beschäftigung mit der Bibel, theologische Diskussionen. Messdiener, Chormitglied, Lektor, Kommunionhelfer, Katechet, Pfarrgemeinderat, Öffentlichkeitsarbeit, Ökumene (ACK).

 

Mit meiner Frau und zahlreichen anderen aufgeschlossenen katholischen Christen trat ich 1995 im Rahmen des bundesweiten Kirchenvolks-Begehrens in unserer Stadt öffentlich für eine Erneuerung in der römisch-katholischen Kirche ein.

 

Die Erfüllung der Hauptforderungen dieser Initiative

 

·         Aufbau einer geschwisterlichen Kirche

·         Volle Gleichberechtigung von Frauen in kirchlichen Ämtern

·         Freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht-zölibatärer Lebensform

·         Positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott

·         bejahten Menschen

·         Frohbotschaft statt Drohbotschaft

 

lässt bis heute auf sich warten.  Daneben gibt es für mich eine Vielzahl von „Steinen des Anstoßes“, eine Menge Ärgernis im täglichen Erleben des kirchlichen Apparats und dessen Öffentlichkeitswirkung. Wenn dies die Kirche Jesu ist, wird mir dieser Mann aus Nazareth suspekt.

 

Vielleicht war es die  altersbedingte Reife, die mich bewog, mich in den letzten Monaten intensiver mit der Geschichte meiner Kirche, der historisch-kritischen Betrachtung der überlieferten Schriften und letztlich meinem Glauben auseinander zu setzen. Das Fazit ist für mich erschreckend. Ich stelle es nachfolgend komprimiert dar.

Ausgelöst wurde meine monothematische Lese-Gier (s. Buchempfehlungen) durch eine Fehlbedienung (?) beim eBook-Download auf meinen Kindle: Statt des gewünschten Küng-Buches „Jesus“ fand sich auf dem eBook-Reader unerwartet „Jesus? Tatsachen und Erfindungen“ von Harald Specht. Ich hätte den Kauf stornieren können, entschied mich jedoch für die Lektüre des bibelkritischen Buches. Den darin getroffenen Feststellungen bin ich in der Folge  dann in zahlreichen weiteren Publikationen nachgegangen.

 

Betroffen habe ich so beispielsweise erfahren, dass viele Theologiestudenten ihr Studium abbrechen, weil sie erkennen müssen, dass weniger als 10% der Worte Jesu wirkliche Überlieferung sind. Ich weiß von einer Umfrage unter Priestern, von denen schon 1996 (!) nur noch etwa zwei Drittel Jesus das Gottesprädikat zuwiesen. In mehreren Quellen erfuhr ich in neuer Dimension, dass die Evangelien zum großen Teil Phantasien der Evangelisten waren, um damit ihre Gemeinden noch stärker zu beeinflussen.

Der Ursprung, die Entwicklung von Macht und Einfluss unserer Kirche sowie die Strategie des Angstmachens und Verurteilens dieser Institution sehe ich nun deutlicher. Die Kirchen in Deutschland, auch die evangelische (die ja, laut Papst, keine ist), konnten ihre Stellung bis auf den heutigen Tag durch die Leichtgläubigkeit, Obrigen-Hörigkeit und Traditionstreue ihrer Schäfchen sowie durch die für beide Seiten nicht uneigennützige Kooperation mit dem Staat (s. z.B. „Konstantinische Wende oder „Reichskonkordat) sichern. Im Kommunikations-Zeitalter und vor dem Hintergrund neuzeitlicher Bibelforschung wird sich dies jedoch für die Zukunft schwieriger gestalten. Über für mich überraschende Hintergründe zum Thema Kirchen-Finanzen, über das Alleinstellungsmerkal des kirchlichen Arbeitsrechts sowie über gängige innerkirchliche doppelmoralische Absprachen und Regelungen sowie das alles andere als vorbildhafte Miteinander im Vatikan möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen. Meine neue Kenntnis von Parallelen zwischen christlichen Lehren und Riten  und dem römischen Mithraskult tragen darüber hinaus zu meiner, harmlos ausgedrückt, Glaubens-Irritation bei.

 

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Mir kommt es letztlich so vor, als ob uns Pfarrer und andere Theologen (mit Lehrbefugnis) auf der Basis verpflichtender Dogmen „die Erde als Scheibe“ verkünden, obwohl sie genau wissen, dass sie eine Kugel ist.  Hier und da gibt es sicherlich durchaus aufgeschlossene Kirchenvertreter, die schon mal scheibchenweise die Wahrheit durchschimmern lassen. Doch, so sagen manche,  die meisten ihrer „Schäfchen“ wollen diese nicht hören. Im Nachbarland Niederlande gibt es sogar einen Pfarrer, der mit Billigung seiner Kirche von der Kanzel verkünden darf, es gebe keinen Gott!  Bei uns scheint hingegen für Seelsorger noch sinngemäß der Auftrag ihres Arbeitgebers zu gelten: „Was ihr glaubt, ist uns egal aber verkündet gefälligst das, für das wir euch bezahlen!“ 


Die immer weniger werdenden katholischen Gottesdienstbesucher (und bis vor kurzem noch ich) glauben zum großen Teil längst nicht mehr alles, was sie fast regelmäßig im antiken
Apostolischen Glaubensbekenntnis beteuern oder in schwülstigen Kirchenliedern lautstark tönen.

 

Was ist das???

 

Von all den neuen Denkanstößen aufgewühlt, googelte ich nach „Glaubenszweifel“, weil ich diese deutlich bei mir wahrnahm. So stieß ich auf diesen Gedanken Leo Tolstois:

 

Wenn dir der Gedanke kommt,
dass alles, was du über Gott gedacht hast,
verkehrt ist und dass es keinen Gott gibt,
so gerate darüber nicht in Bestürzung.
Es geht allen so.
Glaube aber nicht,
dass dein Unglaube daher rührt,
dass es keinen Gott gibt.

 

Wenn du nicht mehr an Gott glaubst,
an den du früher glaubtest,
so rührt das daher,
dass in deinem Glauben etwas verkehrt war,
und du musst dich bemühen,
besser zu begreifen,
was du Gott nennst.

 

Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott
zu glauben aufhört, 
so heißt das nicht, 
dass es keinen Gott gibt, 
sondern nur, dass er nicht aus Holz ist."

 

Für mich stellte sich auf einmal die Frage: Kann und will ich mit meiner neuen Sichtweise der Dinge überhaupt noch in der Kirche bleiben? Via Mail reichte ich meine Anfrage zusammen mit meinem dogmen-bereinigten persönlichen Credo an die Bistumsleitung weiter. Eine Antwort darauf blieb aus.

 

Mein Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, der die Liebe ist und
für das Universum Anfang und Ende.

Jesus von Nazareth,
der jüdische Wanderprediger und Heiler,
bzw. die Menschen, die von ihm erzählten,

gaben mir für meine Gottesbeziehung
entscheidende Impulse.

Auf Grund seiner radikalen
religiösen Sichtweisen musste Jesus 
den Tod am Kreuz erleiden.


Ich glaube, dass die Entstehung
einer neuen Religion sowie die
spätere Verfälschung seiner Worte
und Lebensgeschichte nicht
im seinem Sinne geschah.  

 

Ich bete das überlieferte 
„Vater-unser“, das inhaltlich 
auch Juden, vielleicht gar Muslime 
mit mir sprechen könnten.

Ich glaube an die Anwesenheit 
des göttlichen Geistes, 
der uns in unserem Leben begleitet.
Ich glaube, dass unser Leben über den
Tod hinaus einen Sinn hat. Amen.

 

 

Ich gestehe, es irritiert mich, dass sich die früher sporadisch in mir aufgekommenen und verdrängten Glaubenszweifel sowie eine latente Kirchenverdrossenheit erst jetzt, sechs Jahrzehnte nach meiner unfreiwilligen Taufe, zu einem deutlichen Schnitt in meiner Biographie entwickelt haben.

 

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Zitat aus einem 
Vortrag von Prof. Gerd Lüdemann


Mit meinem Austritt habe ich ein Stück Freiheit gewonnen: Freiheit im Glauben, im Verhältnis zu Gott,- ohne Geschnörkel, Gebote und Verbote, ohne Selbstbeweihräucherung und Scheinheiligkeit des Klerus, vor allem in der ersten und zweiten Hierarchiestufe. Meine christliche Prägung werde ich nicht verleugnen. Orte und Gelegenheiten, in der Stille und der Gemeinschaft Gott zu begegnen, gibt es genug.

 

„Die Liebe zum Nächsten und zu sich selbst,

ist die Lösung aller Probleme in dieser Welt.

Somit ist sie das Elementarste im Universum.

Wenn es Gott gibt, muss es die Liebe sein.“

 

 

Michael Krupp
christlich geprägter Monotheist,
der weiterhin die Entwicklung in seinem ehemaligen religiösen „Nest“ verfolgt

und sozusagen als „außerkirchliche Opposition“ öffentlich kommentiert.

 


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P.S. Ich danke unserem Pfarrer und Freund Lutz für unser gutes Gespräch.

 



Bücher und Informationen, die mich in den letzten Monaten weiterführten … 

 „Was ich glaube“
 , „Ist die Kirche noch zu retten“
„Jesus“ 
(Dr. Hans Küng)
 
 „Der Fall Jesus. Ein Journalist auf der Suche nach der Wahrheit“ 
(Lee Strobel)
 
„Jesus? Tatsachen und Erfindungen“
(Harald Specht)

 „Jesus von Nazareth: Und die Anfänge des Christentums“ 
(Großbongardt / Pieper  SPIEGEL)

  „Der Jesuswahn: Wie Christen sich ihren Gott erschufen“
(Dr. Hans-Werner Kubitza)

  „Die Bibel. Eine Biographie“
(Martin Urban)

„Der liebe Gott ist auch schon ausgetreten: Argumente für alle, die lebendig glauben wollen “
(Jochen Jülicher)
 
 „Update für den Glauben: Denken und leben können, was man glaubt.“ 
(Klaus-Peter Jörns)

 „Gott hat hohe Nebenkosten: Wer wirklich für die Kirchen zahlt.“
(Eva Müller)

 „Warum glaubst Du noch? Lehren der christlichen Kirchen unter dem Gesichtspunkt der Logik“ 
(Uwe Hillebrand)

 „Schafft sich die katholische Kirche ab? Analysen und Fakten eines Unternehmensberaters“ 
(Thomas von Mitschke-Collande)

 „Abgekanzelt – Protokoll einer Inquisition“ 
(Georg Schwikart)

Seine Scheinheiligkeit : Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI 
(Gianluigi Nuzzi)

Gottes Spuren in jedem Leben – Unterwegs zu einem befreienden Glauben
(Hans. W. Schünemann)

Heilige Scheisse – Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?
(Stefan Bonner / Anne Weiss)

Die Un-Heilige Schrift
(Helmuth Santler)

 

Der gefälschte Paulus - Das Urchristentum im Zwielicht
(Hermann Detering)

 

Nein und Amen
(Uta Ranke-Heinemann)

 

Irrtum unser! Oder Wie der Glaube verstockt macht
(Peter Henkel)

 

Das 11. Gebot: Du sollst nicht darüber sprechen
(Daniel Bühling)

Problemfall Religion: Ein Kompendium der Religions- und Kirchenritik
(Dr. Gerhard Czermak)

 

Das Kirchenhasser-Brevier: Ein verlorener Sohn rechnet ab

(Ulli Schauen)

 

Glaubensverlust. Warum sich das Christentum neu erfinden muss
(Hubertus Halfas)

Der echte Jesus: Seine historischen Taten und Worte
(Gerd Lüdemann)

 

Mein siebenfaches negatives Glaubensbekenntnis
(Uta Ranke Heinemann)


„Jesus wollte diese Kirche nicht“
Spiegel-Interview mit Eugen Drewermann

 

Die Didache – urchristliche Kirchenordnung

 (Stand 05.05.2015) 

 

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